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Addcon Expertenteam für Darmgesundheit gegründet

06.03.17

Bonn, Februar 2017

Kompetenzführerschaft in der Anwendung von Futtermittelzusatzstoffen auf Säure/Säuresalz-Basis in der Tierernährung ist das Ziel der Addcon GmbH, Bonn. Dabei hat die Verbesserung der Darmgesundheit oberste Priorität in der Fütterung von Monogastriern.

Dazu hat Addcon Wissenschaftler der Veterinärmedizin und der Tierernährung sowie praktische Tierärzte zur Diskussion eingeladen. Die Tierernährungsexperten und Chemiker von Addcon komplettieren das Team.

Ziel ist die Bewertung wissenschaftlicher Studien rund um die Wirkung und Anwendung von Säuren und deren Überprüfung der Ergebnisse in der Praxis. Wichtig ist Addcon dabei die Zusammenarbeit zwischen Veterinärmedizinern und Tierernährern.

Professor Dr. Georg Dusel von der Technischen Hochschule in Bingen beschäftigt sich seit mehreren Jahren damit, die Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung mithilfe der angewandten Forschung für die Praxis zu überprüfen. In der Arbeitsgruppe Tierernährung der TH Bingen wurden in den letzten Jahren eine Vielzahl von Futter-Zusatzstoffen bei monogastrischen Nutztieren auf Praxistauglichkeit getestet. Prof. Dusel stellte die Unterschiede in der Anatomie und Physiologie des Verdauungstraktes bei Geflügel und Schwein dar. Eine artenreiche Mikrobiotika ist bei Schweinen im Colon und bei Geflügel im Caecum vorhanden. Die Konzentration der Mikrobiotika nimmt vom Duodenum bis zum Rektum deutlich zu. Die pH-Werte im Gastro-intestinaltrakt (GIT) bei Geflügel liegen im Kropf und Drüsenmagen bei 4,4 – 4,5. Im Muskelmagen wurden von Dusel und Schuh (2016) pH-Werte von 3,6 bis 4,0 gemessen. Im Duodenum wurden pH 5,8 bis 6,4 festgestellt, wobei im Ileum die Werte ansteigen. Im Caecum findet man pH- Werte von 5,7 -6,3.

Beim Schwein variiert der pH-Wert von 4,0 – 6,0 im Duodenum bis 7,0 -7,5 im Ileum. Im Dickdarm ausgewachsener Schweine können die pH-Werte bis 8,3 ansteigen.

Viele pathogene Bakterien haben ihr Optimum bei einem pH von 6,5 – 7,5 und halten sich in höheren Konzentrationen im hinteren Teil des GIT auf. In diesen Bereich haben sie eine geringe Pathogenität. Gelangen sie in den vorderen Darmbereich können pathogene Bakterien über das „Andocken“ an die Fimbrien der Darmzotten Toxine bilden und massive Verdauungsstörungen hervorrufen.

Weiterhin diskutierte das Expertenteam die Thematik „Mikrobiom beim Schwein“. Zu diesem Thema wurde Juniorprofessor Dr. Christian Visscher eingeladen, der von ersten Erfahrungen mit dieser Technik im Rahmen von eigenen angewandten Forschungsarbeiten am Schwein berichtete. Für die Beschreibung des Mikrobioms nutzt man einen Teil des Erbgutes der Bakterien, die sogenannte 16S ribosomale RNA. Dieser Abschnitt ist allen Bakterien eigen, unterscheidet sich aber von Bakterium zu Bakterium. Die Technik der Mikrobiomanalyse besteht aus einer Abfolge von RNA-Isolierung aus beispielsweise Kotproben, einer Sequenzierung und einem Datenabgleich mit entsprechender Software und Datenbanken. Auf diesem Wege ist es heute möglich, relativ einfach die Zusammensetzung der Bakterienflora zu analysieren. So lassen sich potentielle Effekte von Fütterungsmaßnahmen und Futtermitteln auf die Darm-Mikroflora darstellen, ggf. auch Ableitungen auf die Gesundheit treffen. Eine Interpretation der Ergebnisse besonders im Zusammenhang mit Dysbiosen ist bislang noch schwierig, weil die Vergleichbarkeit der verfügbaren Ergebnisse methodisch bedingt weltweit mitunter noch schwierig ist. In dieser Methode steckt jedoch ein großes Potential, um in Zukunft gezielt die Zusammenhänge, die zu einer Entgleisung der Darmgesundheit führen, näher und umfassender zu verstehen und Präventionsmaßnahmen entwickeln zu können. Für die praktische Anwendung sind die Kosten relativ hoch, die Auswertungsmöglichkeiten noch nicht in dem Sinne auf die konkreten Probleme beim Schwein abgestimmt.

Dr. Heinrich Wilkes ist Fachtierarzt für Schweine und betreut mit seinem Vet -Team Schweinebetriebe in Nordrhein Westfalen, Niedersachsen und Schleswig Holstein. Er sieht die Ursache von Verdauungsstörungen beim Ferkel zu hohen Anteilen in der Fütterung. Mangelhafte Rohstoffqualitäten, Mykotoxin-belastungen, falsche Komponentenauswahl nach der Absetzphase sind häufige Ursachen.

In Regionen mit hoher Viehdichte wurden Impfungen bei Sauen und Ferkeln intensiviert. Eine Herausforderung stellen die Streptokokken in der Ferkelaufzucht dar.  Werden sie nicht rechtzeitig erkannt, sind hohe Verluste die Folge. Bislang haben Zusätze von mittelkettigen Fettsäuren über das Futter nicht den gewünschten Erfolg in der Praxis gebracht, so dass in Problembetrieben nur der rechtzeitige Einsatz von Antibiotika (Amoxycilin) zum Erfolg führt.

Dr. Karl Nolte ist Fachtierarzt für Geflügel und betreut Geflügelbetriebe im nördlichen Westfalen. Nach wie vor sind die klassischen Darmerkrankungen wie Coli-Durchfälle, Clostridien-Infektionen oder Kokzidiose im Focus der tierärztlichen Diagnostik.

Kokzidien können trotz der prophylaktischen Verabreichung von Kozidiostatika über das Mastfutter zu klinischen Symptomen führen. Durch massive Schäden in der Darmschleimhaut sinkt die Resorptionsleistung des Darms und führt zu Leistungsdepressionen.

Clostridien können in Folge von Kokzidiosen verstärkt auftreten und führen zu großflächigen Nekrosen an der Darmschleimhaut und der Leber. Bei klinischen Symptomen muss mit Antibiotika behandelt werden. Prophylaktisch können Milchsäurebakterien oder andere Probiotika eingesetzt werden. Die Zugabe von mittelkettigen Fettsäuren über das Futter kann eine Vermehrung der Clostridien im Darm reduzieren und das Auftreten klinischer Symptome hinauszögern.

Aviäre pathogene Escherichia coli können gerade in den ersten Lebenstagen zu hohen Verlusten führen. Diese normalen Darmbakterien führen bei starker Dysbiose zu Entzündungen von Darm und Leber und unterscheiden sich von reinen Durchfallerscheinungen. Vorbeugend kann mit Milchsäurebakterien oder Säurenzulagen gearbeitet werden. Hier ist Formi NDF aufgrund seiner Stabilität besonders geeignet, da hohe Mengen an Ameisensäure undissoziiert in den Dünndarm gelangen.

Salmonellen sind mit einer hohen Artenvielfalt wegen der Übertragbarkeit vom Darm über den Schlachtprozess in die Nahrungskette für Menschen mit labilem Immunsystem besonders gefährlich. Deshalb wird entlang der Wertschöpfungskette ein hoher Aufwand betrieben, um Zoonosen zu vermeiden.

Salmonellen sind Gram-negativ und können durch Formi NDF besonders wirksam im Darm reduziert werden.  Die Dosierungen bei Geflügel liegen mit 3 kg/t Futter deutlich niedriger als bei Schweinen.

Wichtig ist eine qualifizierte Bestandsbeobachtung da ein erhöhtes Wärme-bedürfnis als ein Vorbote der Erkrankung steht.

Dr. Christian Lückstädt hat als wissenschaftlicher Leiter der Forschungsabteilung den Wirkungsmechanismus von Diformiaten aufgezeigt. Neben der indirekten Wirkung über eine Absenkung des pH-Wertes im Dünndarm ist der direkte bakterizide Effekt der undissoziierten Ameisensäure-moleküle bei Gram-negativen Bakterien nachgewiesen. Dieser Effekt führt dosisabhängig zur direkten Reduktion der Gram-negativen Bakterien.

Neben den Effekten auf die Darmgesundheit führen die nachgewiesenen Leistungssteigerungen bei Ferkeln, Broiler und Puten zu einer besseren Rentabilität in der Produktion. Dr. Jürgen Hittel zeigte die Ergebnisse aus wissenschaftlichen Studien und Praxistests.

Verbesserung der Leistungsparameter mit Formi KDF beim Schwein und Formi NDF beim Geflügel

Tierart

Wachstumsteigerung (in %)

Geringerer Futterverbrauch pro kg Zuwachs (in %)

Ferkel

9,9

5,5

Mastschweine

6,0

2,6

Broiler

5,2

4,1

 

Bei Puten hat man in zwei Praxistests mit 0,3% Einsatzrate ab Phase 4 die Verkaufsgewichte um 500 g bei Hähnen steigern können.

 

Dr. Jürgen Hittel,  Addcon Fachberater


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